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["Notizen aus dem schwarzen Loch"]
 
 
Notizen 260
 
Kommt in Europa bald ein neuer 'Führer'?
 
Eurokrise, Brexit, Überschuldung, zu viele Flüchtlinge, Rechtspopulisten und Neonazis im Vormarsch ... Wie geht das weiter? Kurz gesagt: Wartet Europa auf einen neuen 'Erlöser'?

Das habe ich schon einmal gefragt, das Thema ist leider immer noch aktuell. Rechtspopulistischen wettern nicht nur gegen Migranten, Asylanten und blutfremde Zuzügler (oder Bewohner), sondern auch gegen die EU, gegen Journalisten und gegen die etablierten Parteien und Politiker. Sie bekommen so viel Zulauf, dass die etablierten Parteien nicht umhin kommen, mit ihnen Koalitionen einzugehen. Entweder haben sie' schon getan, oder es steht ihnen noch bevor.
Zugegeben, eine europäische Führernatur ähnlich Macron in Frankreich könnte Europa gut gebrauchen. Aber die "echten" Führer wollen kein geeintes Europa, sondern die Spaltung der Gesellschaft und die Eliminierung alles Artfremden. Könnte aus ihren Reihen jemand hervorgehen, der unselige Erinnerungen an die jüngste Vergangenheit in Deutschland wecken würde?
Um dies beurteilen zu können, sollten wir uns mit dem Erfolg des vergangenen 'Führers' auseinandersetzen. Das haben schon so viele getan, dass nichts Neues dabei herauskommt? Schön wär's. Doch über Deutschlands und Europas jüngste Vergangenheit gibt es so viele Mythen, die den Blick auf die Wahrheit verstellen, dass wir daraus nichts lernen können. Das aber wäre Gebot der Stunde. Hier also ein paar Mythen über Hitler, und wie es wirklich war.
Mythos 1: Hitler kam an die Macht wegen seines rhetorischen Talents.
Nun mal ehrlich: Wer sollte das Gekreische dieses Menschen ernst nehmen? Die Zuhörer von damals? Zeitzeugen berichten, dass Hitler erst am Schluss seiner zwei- bis dreistündigen Reden in diesen Ton verfiel, und das war dann offenbar angemessen, sonst wären die Zuhörer gänzlich entschlafen. Der Spiegel hat am 4.8.2018 in einer Kurznotiz folgende bemerkenswerte Untersuchungsergebnisse von Historikern erwähnt:
"455-mal trat der wahlkämpfende NSDAP-Chef Adolf Hitler zwischen 1927 und 1933 öffentlich auf - doch diese Auftritte waren für die Reichstags-Wahlergebnisse offenbar nicht entscheidend. Zu diesem erstaunlichen Schluss - die Ergebnisse der NSDAP steigerten sich in dieser Periode immerhin von 3 auf 44 Prozent - kommt eine Studie der Politologen Simon Munzert von der Hertie School of Governance und Peter Selb von der Universität Konstanz.
Die Autoren haben Wahlstatistiken aus 1000 Landkreisen und Bezirken sowie 3864 Kommunen analysiert und die Entwicklung der Wahlergebnisse in Gebieten, in denen Hitler Reden hielt, mit jenen verglichen, in denen er nicht auftrat. Flächendeckend zeigte sich, dass sein Wahlkampf räumlich und zeitlich nur sehr begrenzt wirkte. "Wir sind überrascht, wie marginal der Effekt von Hitlers Auftritten war, obwohl ihm von Zeitzeugen und Historikern überragende rhetorische Fähigkeiten attestiert werden", so Selb und Munzert. Die Ergebnisse seien umso bemerkenswerter, weil Hitlers Kampagne sich auch durch den Einsatz neuer Techniken wie Lautsprecher und Flugzeuge von der Konkurrenz abhob."
Jedenfalls hat nicht die Rhetorik ihn an die Macht gebracht, sondern die Unterstützung reaktionärer Kreise: Künstler (Familie Hanfstaengl, Familie Wagner), Bankiers, Industrielle - auch aus den USA (Ford). Denn Hitler versprach etwas, das den Mächtigen und Reichen der damaligen Zeit immens wichtig war: Er sagte, er würde den Bolschewismus bekämpfen bis aufs Messer. Was er dann auch tat. Und der Bolschewismus war das damalige Schreckgespenst, wie nach dem Krieg der Kommunismus und heute der Islamismus. So sorgten Hindenburg und Hugenberg und all die anderen dafür, dass Hitler genügend Machtbefugnisse erhielt, die er dann auch sofort nutzte. Er war der Erlöser von allem linken Gedankengut, deswegen kam er an die Macht.
Mythos 2: Hitler war ein unberechenbarer Psychopath.
Ganz im Gegenteil! Kein Politiker war so berechenbar wie er. Keiner hat die eigenen Ideen so logisch, d.h. konsequent, umgesetzt. Hätte man seine Überlegungen aus seinem Buch ernst genommen, dann hätte die Welt gewusst, was auf sie zukommt. Seine Politik hat fast mathematische Klarheit. Es gibt nur drei "Axiome":
- Der deutsche Volkskörper muss reingehalten werden.
- Die Juden verunreinigen ihn.
- Das deutsche Volk braucht mehr Lebensraum.
Alles andere ergibt sich ganz logisch (aber natürlich völlig unmenschlich) aus diesen Glaubensgrundsätzen. Ein wirklicher, d.h. völlig unberechenbarer Psychopath war sein großer Gegenspieler Stalin. Der konnte einem alten Freund am Abend versichern, ihm würde nie etwas geschehen, und nachts kam die Geheimpolizei und holte ihn ab.
Mythos 3: Hitlers Ideen waren pervers und archaisch.
Sie waren alle vor ihm da. Er hat sie nur aufgegriffen und konsequent zu Ende geführt. Selbst Sozialdemokraten beschäftigten sich mit Eugenik, die Amerikaner erließen eigene "Rassen"-Gesetze. Man sorgte sich ganz allgemein um die Gesundheit des Volks, wie heute, wo es zuviele Dicke und Internetsüchtige gibt. Es gab Programme für die Förderung der Gesundheit und die Eindämmung von Krankheiten, ebenfalls wie auch heute, wo wir es mit Hygiene und Impfung versuchen. Nur die Konsequenz, mit der Hitler das wertvolle Leben förderte und das unwerte ausrotten wollte, die war neu.

Was können wir daraus lernen? Dass wir auf einen solchen Schreihals jemals wieder reinfallen, ist höchst unwahrscheinlich. Dass sich ein Einzelner zum Oberboss in einem europäischen Land aufschwingen wird, ist jetzt schon der Fall. Immerhin: Rechte Parteien werden sich nie zusammenschließen, denn das Führerprinzip besagt ja gerade: Ich bin der Führer, du nicht. Sie können auch so genug Schaden anrichten.
Wie gesagt, der Führer kam an die Macht durch Unterstützung einflussreicher Industrie- und Finanzkreise. Und so sollten wir uns fragen, wie die Sache heute aussieht. Machen unsere Politiker Politik, oder sind es internationale Konzerne wie Monsanto/Bayer, oder internationale Finanzagenturen wie Goldman Sachs? Die beiden Namen sind bekannt, aber wie viele Unbekannte gibt es? Welchen Einfluss haben sie auf unsere Politiker? Welchen Einfluss haben wir auf unsere Politiker? Und was wird der gut vernetzte rechte Pöbel weiter machen?
 
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.
 
 
 
 
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