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["Notizen aus dem schwarzen Loch"]
 
 
Notizen 186
 
Männergespräche, Frauengespräche, Dialoge
 
Männer kommen bekanntlich vom Mars, Frauen von der Venus. Sie haben nicht nur völlig unterschiedliche Vorstellungen und Verhaltensweisen, sie können auch miteinander nicht reden. Erfahrungen aus dem Alltag.

Ich erinnere mich an unsere Mittagstischrunden bei P.M., wo ich soziologische Studien betreiben konnte. Zum Beispiel über Gespräche von Männern untereinander, von Frauen untereinander, von Störungen homogener Gruppen durch inhomogene Mitglieder (sprich: ein Wesen vom anderen Planeten), und von ehelichen Dialogen. Naja, letzteres eher zu Hause.
Erstaunlicherweise bildeten sich in der Kantine, zumindest in unserer Redaktion, immer reine Männer- und Frauentische. Am Männertisch ging es darum, den anderen durch Frotzeleien und hinterhältige Vorwürfe dazu zu bringen, etwas Witziges und/oder Schlagfertiges von sich zu geben. Je verblüffender die Gegenrede, desto höher das Ansehen. Persönlich waren die Angriffe nie gemeint. Es herrschte ein Klima der Ellbogen-Kameradschaft: ein bisschen anstoßen, zurück stoßen, ein Spiel treiben, wo einer einen Zug macht und der andere einen Gegenzug. Das war's. In Wien nennt man so etwas "Schmäh führen", wobei der typische Wiener Schmäh nicht unbedingt mit "schmähen" zu tun hat. Der Begriff stammt wohl eher aus dem Jiddischen oder dem Rotwelsch, wo das entsprechende Wort "Tratsch, geistvolles Gespräch" bedeutet. In einer Runde muss der Schmäh "laufen", was heißt, dass nichts stagniert, alles fließt, Schlag auf Schlag folgt, Geistesgegenwart gefragt ist. Wer sich dem "Laufen" verweigert, wird das nächste Mal nicht mehr befrotzelt, aber auch sonst nicht mehr angesprochen. Wer nicht mitmacht, ist raus.
Am Frauentisch herrschten ganz andere Verhältnisse. Da wurde über Kinder, Krankheiten und Ehemänner geredet, und auch die Beziehungen in der Firma kamen nicht zu kurz. Informationen machten die Runde, niemand wurde angegriffen, frau unterstützte sich gegenseitig mit Ratschlägen und mitfühlenden Bemerkungen. So weit, so gut.
Die Katastrophe trat ein, wenn sich eine Frau an den Männertisch setzte oder ein Mann an den Frauentisch verirrte, meist nur deshalb, weil der eigene Tisch voll war und man/frau nicht allein oder bei Fremden sitzen wollte. Als einmal eine unserer Frauen zu den Männern kam, wurde sie gleich auf die übliche Weise begrüßt - sozusagen in die Runde aufgenommen - wie es dort eben üblich war: mit dem typischen Schmäh, mit persönlichen, aber keineswegs persönlich gemeinten Vorwürfen. Und die Frau reagierte, wie keiner der Männer erwartete: empört, aggressiv; sie konnte sich nicht beruhigen und ging dann mitten im Essen weg. Keiner der Männer wusste, warum, denn niemand hatte ihr was getan. Glaubte Mann.
Als mal ein Mann an den Frauentisch kam, wurden die Sozialisierungsbemühungen unserer Gesellschaft erst recht sichtbar. Der Mann klinkte sich in keiner Weise in die bestehenden Gespräche ein, sondern fing sofort an, stundenlang über sein Hobby zu referieren, was nur ihn interessierte - und frau hörte unterwürfig zu. Die Gespräche erstarben abrupt, der Alleinunterhalter war nicht mehr zu bremsen. Auch der zaghafte Versuch meinerseits, wieder typische Frauenthemen anzusprechen, schlug fehl. Die Frauen zeigten sich kollektiv unterwürfig und sagten nichts mehr.
Generationenfrage? Vor kurzem hab ich das Gleiche erlebt, bei ungefähr Dreißigjährigen. Die Männer redeten über Autos, die Frauen lauschten andächtig oder schwiegen. Sind das die Ergebnisse von 100 Jahren Feminismus?
Und wie steht es mit Dialogen zwischen Männern und Frauen? Da hat Loriot mit seinen Ehegesprächen ("Berta - das Ei ist hart!") Nägel mit Köpfen gemacht, um nicht zu sagen, den Nagel (und das Ei) auf den Kopf getroffen. Hier meine eigenen Versuche dazu. Zur Orientierung: Die Frau beginnt das Gespräch. Wo möglich, habe ich die Geschlechter durch Schriftformen gekennzeichnet. Dem Mann gebührt, wie seinem Charakter, die aufrechte, schnörkellose, gewohnte Schrift. Die Frau wird durch kursiv gekennzeichnet, also durch eine schräge, anlehnungsbedürftige Schriftform. So viel Klischee muss sein. Los geht's:
 
Erster Dialog
Hilfst du mir beim Bildaufhängen?
Natürlich. Was muss ich tun?
Halt das Bild mal an die Wand ... ja so.
Und?
Es stimmt noch nicht.
Was soll ich tun?
Also, links stimmt es noch nicht.
Was soll ich tun?
Du musst es links korrigieren.
Was soll ich tun?
Na heb's halt mal höher ... nein, tiefer, also auf der anderen Seite.
Wo soll ich was tun?
Jetzt ist's verrutscht, halt's mal gerade.
Wo?
Ja überhaupt.
Was soll ich tun?
Das Bild richtig hinhalten, mein Gott, ist das so schwer?

Zweiter Dialog
Liebling, hilfst du mir? Ich hab ein Blumengesteck gekauft, das muss ich richtig hinstellen.
Wo soll ich's hinstellen?
Ja weißt du, morgen kommt Annemarie, meine alte Freundin, und sie soll sehen, dass ich auch Geschmack habe.
Wo soll ich's hinstellen?
Da, wo's gut zur Geltung kommt.
Ich weiß ja nicht, was deine Freundin als "Geltung" sieht.
Was hat denn meine Freundin damit zu tun?
Du wolltest sie doch damit beeindrucken. Außerdem wird mir das Ding zu schwer. Wo soll ich's hinstellen?
Mein Gott, ich denke ja noch. Also wie wär's dort in der Ecke? Nein, die andere ... nein doch nicht, hier wirkt's am besten.
Also hier?

Warte doch ein bisschen, du bist immer so ungeduldig!
 
Dritter Dialog
Ich hab Kopfweh.
Nimm ein Aspirin.

 

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.
 
 
 
 
 
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