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["Notizen aus dem schwarzen Loch"]
 
 
Notizen 208
 
Emanzipation im Mittelalter
 
Wie hat man als Frau Erfolg? Als Mann in der Armee!

Im Mittelalter (und lange Zeit danach) gab es für Frauen nicht viele Alternativen, und alle waren wenig erfreulich. Die Frau wurde als junges Mädchen - oft schon als Kind - an einen Mann verkauft, pardon: verkuppelt. So war die Familie einen weiteren wertlosen Mitesser los, und dem christlichen Ideal des "Vermehret euch" war Genüge getan. Dem (hoffentlich vermögenden) Ehemann durfte sie dann Kinder gebären, so viele wie möglich, aber möglichst männlich, während der Herr Gemahl die Mitgift verjubelte. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann stand sie ihrem Mann weiterhin als Objekt seiner meist sadistischen Triebe zur Verfügung. Ehefrauen wurden damals routinemäßig und grundlos geschlagen, aus Spaß an der Freude. Die Römer konnten ihre grausame Ader noch an den Sklaven ausleben, aber die gab es im christlichen Abendland nicht mehr. Dafür Frauen.
Die zweite Möglichkeit bestand darin, in ein Kloster zu gehen. Da wurde man dann von Frauen geschlagen, aber wenigstens nicht vergewaltigt, höchstens von Mönchen auf der Durchreise. Doch meist hatten die Frauen eh keine Wahl, denn die Familie bestimmte über sie.
Wie bei Catilina de Erauso. Die baskische Spanierin (vermutlich 1592 - 1650) wurde schon mit vier Jahren in das Kloster "San Sebastian el Antiguo" gesteckt, wo sie, wie es üblich war, von den Nonnen geschlagen wurde, was ihr verständlicherweise nicht gefiel. Da hätte sie ja gleich heiraten können. Also floh sie mit 15, bevor sie das Keuschheitsgelübde ablegen musste, warf ihre Kleider fort und lebte fortan als Mann unter dem Namen Alonso Diaz Ramirez (nach anderen Versionen: Francisco de Loyola). Als solcher machte sie ab 1602 Karriere bei der spanischen Armee in Übersee, also als Konquistador. Sie hatte einen guten Ruf als tapferer Soldat, aber auch als Spieler und Haudegen, wobei sie auch vor tätlichen Auseinandersetzungen bis hin zum Mord nicht zurück schreckte.
Ihr Leben bestand aus den immer gleichen Taten: Sie betrog beim Kartenspielen, ihrem Mitspieler gefiel das nicht, es kam zum Streit. Catilina/Alsonso/Francisco zog das Schwert und verpasste dem anderen ein paar Narben im Gesicht, günstigstenfalls. Meist aber war der andere danach nicht mehr zu gebrauchen, weder zum Kartenspielen noch für Eroberungen fremder Länder. Die abtrünnige Nonne flüchtete in eine Kirche, beantragte Kirchenasyl und harrte, wenn es sein musste (und oft musste es sein) monatelang in der Kirche aus, während draußen Soldaten auf sie warteten. So lebte sie ungeschoren und fühlte sich in der Welt der rauen Männer offensichtlich wohl.
Brenzlig wurde es nur, wenn Frauen sie heiraten wollten oder sie verkuppelt werden sollte. Zwar liebte sie Frauen - als Mann verkleidet konnte sie ihre diesbezüglichen Neigungen voll ausleben - doch binden wollte sie sich nicht. Als es um ihren Hals ging - wieder mal musste ein Mann wegen ihr ins Gras beißen, diesmal in Peru - rettete sie ihr Leben, indem sie ihr Geheimnis dem Bischof Fray Agustin de Carvajal enthüllte. Der wollte nur wissen, ob sie noch Jungfrau wäre, was sie bestätigte. Die herbeigeholten Expertinnen bestätigten das auch, und damit war die Welt wieder in Ordnung.
Ihr Leben wiederholte sich nun: Sie musste ins Kloster, wo es ihr nicht gefiel. So kehrte sie nach zwei Jahren als Frau nach Spanien zurück und führte ein wechselvolles Leben - meist als Mann. Als sie sich zur Ruhe setzt, ist ihr die vom König von Spanien gewährte Pension zu wenig. Sie beschwert sich beim Papst (Urban VIII), und der will nur wissen, ob sie noch Jungfrau ist, was sie bejaht. Er glaubt ihr und erlaubt ihr, das bisherige Leben in Männerkleidung weiter zu führen, vorausgesetzt, sie bleibe tugendhaft, sprich: jungfräulich. Zudem solle sie gelegentlich an das fünfte Gebot denken, für einen Christenfrau gehöre es nicht, anderen gleich den Kopf abzuhacken. Catalina hält sich an Urbans Ermahnungen. Sie verwickelt sich weiterhin in Schlägereien mit Männern und Liebesaffären mit Frauen, ein typisches Männerleben eben, aber unter Bewahrung ihrer Tugend.
Manche Historiker meinen allerdings, sie hätte nie gelebt, denn ihre angebliche Autobiografie ähnelt stark dem Theaterstück "La Monja Alferez" von Juan Perez de Montalvan. Aber vielleicht hat ja diese bemerkenswerte Frau ihr Leben nach dem Theaterstück gestaltet. Und was lernen wir daraus? Unter Männern lebt sich's auch nicht schlecht, vorausgesetzt, frau bewahrt ihre Jungfräulichkeit und hält sich an die zehn Gebote. Zumindest gelegentlich.
 
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.
 
 
 
 
 
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