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["Notizen aus dem schwarzen Loch"]
 
 
Notizen 212
 
Wenn die Zeit davonläuft
 
Ist Ihnen schon mal die Zeit unter den Fingern zerronnen? Das kann einen rein physikalischen Grund haben: Die Zeit zerrinnt tatsächlich!

Früher, als wir noch Kinder waren, hatten wir so viel Zeit zur Verfügung, dass wir versucht waren - oder es tatsächlich versuchten - ein Verbrechen an der Zeit zu begehen: Wir schlugen sie tot. Heute fließt uns die Zeit durch die Finger. Es ist schon wieder Weihnachten, der Winter kommt viel früher als in unserer Jugend. Den erstaunlichen Grund fand ein russischer Physiker: Die Zeit zerrinnt tatsächlich!
Der russische Physiker Nikolai Alexandrowitsch Kosyrew (1908 - 1983) meinte: Die Zeit ist eine aktive Substanz, die verdickt, verdünnt, vernichtet oder neu geschaffen werden kann. Vor allem: Sie ist ein Fluss.
Kosyrew beginnt seine Überlegungen damit, wie wir die Zeit und ihre Richtung überhaupt definieren können. Dazu nimmt er die einfachste und wichtigste Beziehung in der gesamten Naturwissenschaft: die Kausalität. Wenn A die Ursache für B ist, dann liegt der Zeitpunkt des Ereignisses A vor dem Zeitpunkt des Ereignisses B. So kann die Richtung der Zeit festgelegt werden. Es gibt nun eine Minimalzeit für die Übertragung kausaler Einflüsse, sprich: Impulse. Auf etwas obskure Weise berechnet Kosyrew die Geschwindigkeit der kausalen Minimalübertragung zum Wert von 2200 km/sec, das ist weniger als 1 % der Lichtgeschwindigkeit.
Seine wichtigste Erkenntnis: Systeme, welche Ordnung schaffen, verdichten die Zeit in sich selbst, sie saugen also Zeit an, während sie bei Systemen, die ins Chaos driften, ebenso verrinnt und verschwindet. Wer also etwas gestaltet und aus dem Nichts Strukturen erschafft - wie alle Lebewesen - der sammelt Zeit und verdichtet ihren Strom in seinem Innern. Wer die Dinge treiben lässt - wie die Natur - der verliert Zeit, und das ganz wörtlich. Durch spezielle Materialien (z.B. Aluminium) kann Zeit in einer Art Käfig sogar gesammelt und verdichtet werden, was ein wenig an Wilhelm Reichs "Orgon-Akkumulator" erinnert. Aber die Russen haben es schon immer geschafft, physikalische Exaktheit mit esoterischen Vorstellungen zu kombinieren.
Kosyrew entdeckte sogar das, was in der SF-Literatur als Zeitschleifen bekannt ist: Ein Prozess verläuft, scheinbar ohne Ursache, immer wieder im Kreis. Solche isolierten, zeitlosen Vorgänge sind für ihn thermodynamisch reversible Prozesse, also solche, in denen keine Energie (durch Wärme oder durch Reibung) verloren geht, und die sich perpetuum-mobile-haft ewig wiederholen.
Hat die Zeit indes Flusseigenschaften, könnten wir ein paar Überlegungen anstellen, die Physiker bezüglich Strömungen entwickelt haben. Die erste Frage lautet: Wie schnell fließt die Zeit, und im Vergleich wozu? Die Frage scheint sinnlos, denn die Zeit fließt mit der Geschwindigkeit von einer Sekunde pro Sekunde. Doch das muss nicht sein. Stünde die Zeit still, während das Bewusstsein uns den Fluss der Zeit vorgaukelt, dann wäre die Zeitgeschwindigkeit null. Wäre die Zeit dagegen allgegenwärtig und überall gleich (wie es Newton und Einstein in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie voraussetzen), dann hätte sie die Geschwindigkeit unendlich. Tatsächlich ist ihre Geschwindigkeit, wie schon erwähnt, endlich.
Wir alle kennen das Bernoulli-Gesetz für Strömungen aus der Anschauung: Verengt sich ein Flussbett, strömt Wasser schneller, denn der Fluss als ganzer kann nicht abreißen. Übertragen wir dieses Gesetz auf unsere Wahrnehmung der subjektiven Zeit, dann finden wir Analogien. Unser Bewusstsein - das Strombett der Zeit - verengt sich dann, wenn wir uns ganz auf eine Sache konzentrieren. Und dabei vergeht die Zeit im Nu. Umgekehrt: Je weniger zielorientiert wir handeln - wenn wir also einfach herumlungern - dann vergeht die Zeit unendlich langsam, bis sie bei tiefer Bewusstlosigkeit (Koma) zum Stillstand kommt und unter dem Einfluss psychedelischer Drogen zum turbulenten Strom entartet oder gar rückwärts läuft.
Wenn Kosyrew recht hat, was könnten wir daraus lernen? Zum Beispiel dies: Ist Ihnen vielleicht auch schon aufgefallen, dass es Menschen gibt, die viel arbeiten, viel schaffen, dennoch immer Zeit haben, nie unter Stress stehen und sich auch den Mitmenschen widmen? Ihr Verhalten wird durch Kosyrews Thesen erklärbar: Sie saugen Zeit aus der Umgebung, bei ihnen ist der Zeitstrom dichter, sie haben ganz wörtlich mehr Zeit, indem sie die vorhandene Zeit so intensiv nutzen. Das Gegenteil kennen Sie sicher auch: Menschen, die nichts zu tun haben, nichts tun, sich aber immer beklagen, sie hätten keine Zeit (wie z.B. Rentner - etwa der Verfasser dieses Buchs!). Nach Kosyrew verdünnt sich bei diesen Personen der Zeitstrom, sie verlieren Zeit, und sie haben durch ihr Nichtstun tatsächlich weniger Zeit zur Verfügung. - Weitere überraschende Erkenntnisse über die Zeit und die Möglichkeiten von Reisen in ihr finden Sie in der Neuauflage meines Buchs über Zeitreisen.
 
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.
 
 
 
 
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